RATGEBER
So erstellst du einen Social-Media-Redaktionsplan
Ein Redaktionsplan beantwortet drei Fragen: Was veröffentlichst du, wo und wann? Das klingt banal. Ohne Plan entsteht Social Media aber meist nebenbei, zwischen zwei Terminen, und fällt als Erstes weg, sobald die Woche voll wird.
Die folgenden Schritte funktionieren für Selbstständige genauso wie für kleine Teams und Agenturen. Die Vorlage bildet sie eins zu eins ab. Du kannst aber auch mit Papier und Stift anfangen.
1. Leg ein Ziel fest, bevor du Themen sammelst
Willst du Anfragen, Bewerbungen, Newsletter-Anmeldungen oder einfach bekannter werden? Das Ziel entscheidet, welche Beiträge du brauchst. Wer Anfragen will, muss öfter zeigen, wie die Zusammenarbeit abläuft und was sie bringt. Wer bekannter werden will, braucht Beiträge, die man gern teilt oder speichert.
Schreib das Ziel in einem Satz auf und mach es messbar, zum Beispiel: „Bis Ende des Quartals kommen zwei Anfragen pro Monat über LinkedIn.“ Diesen Satz liest du bei jeder Planung noch einmal.
2. Wähl Kanäle, die du wirklich bespielen kannst
Überall präsent zu sein, klingt gut und scheitert fast immer an der Zeit. Starte mit ein oder zwei Kanälen, auf denen deine Zielgruppe tatsächlich unterwegs ist. Geschäftskunden erreichst du oft über LinkedIn, Privatkunden eher über Instagram oder Facebook. Wer aktiv nach einer Lösung sucht, landet über Google auf deinem Blog.
Ein weiterer Kanal kommt erst dazu, wenn die ersten beiden seit ein paar Wochen ohne Kraftakt laufen.
Ein Thema muss nicht für jeden Kanal neu entstehen. Aus einem Blogartikel werden ein LinkedIn-Post, ein Karussell und eine Newsletter-Ausgabe. Plane solche Ableitungen gleich mit, dann trägt ein gutes Thema eine ganze Woche.
3. Definiere drei bis fünf Themen-Säulen
Themen-Säulen sind die wiederkehrenden Oberthemen, über die du sprichst. Sie verhindern, dass jeder Beitrag bei null anfängt, und sorgen für eine gesunde Mischung. Bewährt hat sich zum Beispiel diese Aufteilung:
- Wissen und Tipps: Fachwissen, das deiner Zielgruppe konkret hilft.
- Einblicke: wie du arbeitest und wer dahintersteht.
- Ergebnisse und Stimmen: Belege, dass dein Angebot wirkt.
- Angebot: was du verkaufst, klar und ohne Druck.
- Dialog: Fragen, Umfragen und Antworten auf Kommentare.
Gib jeder Säule einen Ziel-Anteil. Eine brauchbare Faustregel: Höchstens jeder fünfte Beitrag verkauft direkt. Die Vorlage rechnet mit, ob dein Plan zu diesen Anteilen passt.
4. Plan eine Frequenz, die du durchhältst
Drei Beiträge pro Woche über ein ganzes Jahr bringen mehr als tägliche Posts für einen Monat und danach Funkstille. Rechne ehrlich: Wie viel Zeit hast du pro Woche? Ein Text-Post braucht oft eine halbe Stunde, ein Karussell oder ein kurzes Video schnell zwei Stunden.
Leg feste Tage fest, etwa Dienstag und Donnerstag für LinkedIn. Feste Tage machen die Planung zur Routine, und du siehst Lücken früh.
5. Skizziere das Jahr mit Anlässen
Feiertage, Jahreszeiten und saisonale Termine wie Black Friday liefern Stoff für Beiträge, sind aber kein Muss. Nimm nur Anlässe, die zu deinem Angebot passen. Ein Handwerksbetrieb hat im Frühjahr andere Themen als ein Onlineshop im Dezember.
Plane pro Monat ein Ziel und ein bis zwei Schwerpunkte. Dann weißt du schon im März, dass der Mai viele Brückentage hat und du Beiträge besser vorher fertig hast.
6. Sammle Ideen an einem festen Ort
Die besten Themen entstehen selten am Schreibtisch, sondern im Alltag: eine Kundenfrage am Telefon, ein Kommentar unter einem Beitrag, ein Fehler, den du immer wieder siehst. Schreib solche Ideen sofort auf, an einer Stelle, die du bei der Planung öffnest.
Im Ideen-Speicher der Vorlage bekommt jede Idee eine Herkunft, eine Säule und eine Priorität. Bei der Wochenplanung nimmst du dir die wichtigsten zuerst vor.
7. Füll den Wochenplan: Hook, Format, Handlungsaufforderung
Jeder Beitrag bekommt im Redaktionsplan eine eigene Zeile. Drei Felder entscheiden über seine Wirkung:
- Hook: der erste Satz. Er entscheidet, ob jemand weiterliest. Konkret schlägt allgemein, also „Drei Fragen, die wir vor jedem Auftrag stellen“ statt „Tipps für bessere Projekte“.
- Format: Text, Bild, Karussell, Kurzvideo oder Artikel. Wähl das Format nach dem Inhalt, nicht nach dem Trend. Eine Anleitung in Schritten passt ins Karussell, ein Blick hinter die Kulissen ins kurze Video.
- Handlungsaufforderung (CTA): Was soll die Person am Ende tun? Kommentieren, speichern, die Website besuchen? Eine klare Aufforderung pro Beitrag reicht.
Plane zwei bis vier Wochen im Voraus. Weiter lohnt sich selten, weil aktuelle Themen dazwischenkommen.
8. Kläre Status und Freigaben
Sobald mehr als eine Person beteiligt ist, braucht jeder Beitrag einen Status: Idee, In Arbeit, Freigabe, Geplant, Veröffentlicht. So sieht jeder auf einen Blick, wo etwas hängt. In der Vorlage färbt sich der Status automatisch, überfällige Termine werden rot.
Leg außerdem fest, wer freigibt und bis wann. Eine Freigabe, die drei Tage liegen bleibt, bringt den ganzen Plan durcheinander.
9. Werte monatlich aus und justiere nach
Einmal im Monat reichen 20 Minuten: Wie viele Beiträge sind erschienen, auf welchen Kanälen, zu welchen Säulen? Welche drei haben die meisten Reaktionen oder Anfragen gebracht? Mach mehr von dem, was funktioniert, und streich, was niemand vermisst.
Die Auswertung in der Vorlage zählt Beiträge pro Kanal, Status und Monat. Reichweite und Interaktionen holst du dir aus den Statistiken der Plattformen.
Häufige Fehler
- Zu viele Kanäle auf einmal. Ein Kanal, der regelmäßig läuft, bringt mehr als vier, die halb gepflegt sind.
- Nur über das eigene Angebot reden. Wer ausschließlich verkauft, verliert Aufmerksamkeit.
- Den Plan als Pflicht sehen. Er ist ein Werkzeug: Wenn ein aktuelles Thema wichtiger ist, verschiebst du einen Beitrag.
- Keine Reserve. Halte zwei, drei zeitlose Beiträge fertig in der Hinterhand, für Wochen, in denen nichts klappt.